Ich höre immer wieder in verschiedene Podcasts rein, aber es gibt nur wenige, von denen ich wirklich jede Folge höre. Die meisten davon sind Labercasts: Fest & Flauschig, Gästeliste Geisterbahn, Mit Verachtung, Das kleine Fernsehballett. Was ich aber am meisten liebe, sind Storycasts – Podcasts, die in einer Folge oder über mehrere Folgen hinweg eine Geschichte erzählen. Das ist meine echte Podcastliebe.

IMG_2395Angefangen hat alles vor vier Jahren mit Serial. Wie so viele andere war ich direkt süchtig. Eine Schülerin wird Ende der 90er Jahre in Baltimore ermordet, ihr Ex-Freund wird für die Tat verurteilt, aber es bleiben Zweifel an seiner Schuld – bis heute. Die Journalistin Sarah Koenig rollt die Geschehnisse nochmal auf, spricht mit Zeugen und nicht zuletzt mit dem mutmaßlichem Täter. In jeder Episode entspinnt sich mehr und mehr eine völlig irrsinnige Geschichte aus fragwürdigen Beweisen, unglaubwürdigen Zeugen und einem jungen Mann, der seit 15 Jahren vielleicht unschuldig im Gefängnis sitzt. Der Podcast hat damals eingeschlagen wie eine Bombe und hält immer noch den Weltrekord mit den meisten Downloads weltweit.

Nachdem Serial mich so in seinen Bann gezogen hat, nicht nur inhaltlich, sondern auch durch seine schnelle und unmittelbare Machart, habe ich nach vergleichbaren Formaten gesucht. Über den Artikel von Dennis Horn bin ich auf zwei deutsche Produktionen gestoßen, die sich Serial zum Vorbild nahmen und auch Kriminalfälle neu aufrollten. Besonders der NDR-Podcast Täter unbekannt ist hörenswert.

Wirklich überrascht und begeistert haben mich die beiden Storytelling-Podcasts von Philip Meinhold: Wer hat Burak erschossen? und Bilals Weg in den Terror. 2012 wird der 22-jährige Burak erschossen, der Täter wird nie gefasst und Philip Meinhold folgt den Spuren bis in die Neonazi-Szene. Für den Podcast über den 17-jährigen Bilal, der sich radikalisiert und für den IS nach Syrien geht, recherchiert Meinhold wiederum in der islamistischen Szene. Er hat scheinbar vor nichts Angst. Aber ähnlich wie Sarah Koenig in Serial, nimmt auch Philip Meinhold uns Zuhörer mit, teilt seine Zweifel, spricht über Unklarheiten und erklärt seine Handlungsschritte. Unbedingte Hörempfehlung!

dvSeit wenigen Tagen höre ich den Podcast Death in Ice Valley. Ich bin aktuell in der sechsten Folge und kann nur sagen: Das ist alles völlig irre! Die Koproduktion der BBC und dem norwegischem Radiosender NRK zeichnet einen ungeklärten Mordfall aus dem Jahr 1970 nach. Eine Frau wird im Isdal bei Bergen, Norwegen tot aufgefunden, wenig später entdeckt die Polizei in einem Schließfach ihren Koffer mit Kleidung, Perücken und falschen Pässen. WHAT?! Die sogenannte Isdal-Frau besaß scheinbar sieben verschiedene Identitäten und reiste mit denen durch ganz Europa. WHAT?! Später wollen dann Zeugen gesehen haben, wie sie Raketentests beobachtet hat. Kalter Krieg und so. WHAT?! War sie vielleicht eine Geheimagentin aus Osteuropa oder eine Spionin aus der DDR. WHAT IS HAPPENING?! Ich bin wirklich gespannt, wie der Podcast weitergeht.

Könnt ihr noch weitere Storytelling-Podcasts empfehlen?

Podcastliebe – Von den USA bis nach Norwegen

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