Ich stand vor einigen Tagen im Schuhgeschäft in der Kinderabteilung. Neben mir eine Wand aus Pink, Lack und Glitzer. Vor mir Blau, ein bisschen Schwarz und Grün noch, aber mit Feuerwehrautos und Dinos drauf. Selbst bei den kleinsten Größen gibt es keine Unisex-Schuhe. Nichts, was nicht ICH BIN FÜR EINEN JUNGEN/FÜR EIN MÄDCHEN schreit. Es ist zum Kotzen. Ich brauche einfach nur Halbschuhe für ein 18 Monate altes Kind. Schlicht, flexibel, stabil, von mir aus in Gelb, Rot oder Grün. Es gibt keine. Es gibt blaue Schuhe. Blaue Schuhe mit Autos drauf. Oder eben rosafarbene Lack-Ballerinas. Ich möchte den ganzen Laden anzünden.

Willkommen in der Rosa-Hellblau-Hölle!

Lange vor Alves Geburt habe ich das Buch “Die Geschlechterlüge” von Cordelia Fine gelesen. Die Neurowissenschaftlerin nimmt darin populäre Studien akribisch auseinander, die belegen sollen, dass Männer und Frauen unterschiedliche Gehirne und damit unterschiedliche Begabungen haben und so stereotypische Rollenklischees unterstützen. Laut Fine ist das alles Bullshit. Unsere Gehirne entwickeln sich aufgrund von psychologischen Einflüssen und Erfahrungen. Nachhaltig beeindruckt an dem Buch hat mich eine Studie, in der Mütter die Kindsbewegungen in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten beschreiben sollten. Bei werdenden Müttern, die das Geschlecht ihres Kindes nicht kannten, zeichnete sich kein Muster ab. Frauen, die wussten, dass sie einen Jungen erwarten, beschrieben die Kindsbewegungen hingegen als “kräftig”, “energisch”. Die Bewegungen der Mädchen waren “nicht allzu lebhaft”, “nicht übermäßig energisch”. Diese Rollenklischees sind schon so tief in uns verankert, dass wir sie unterbewusst auf unsere ungeborenen Kinder übertragen. Diese Erkenntnis war einer der Gründe, weshalb wir das Geschlecht unseres Kindes während der Schwangerschaft nicht wissen wollten.

Spoileralert: Er ist ein Junge.

Mit dem ganzen Gendermarketing-Irrsinn, der bei pinkfarbenen und blauen Schuhen anfängt und bei Mädchen- und Jungs-Überraschungseiern aufhört, haben sich Almut Schering und Sascha Verlan in dem Buch “Die Rosa-Hellblau-Falle” auseinander gesetzt. Wenn man für ein Baby oder Kleinkind also weder etwas pinkfarbenes noch etwas blaues kaufen möchte, bleiben oft nur die fröhlichen, kindgerechten und lebensbejahenden Farben Weiß, Beige und Grau. Bei den meisten Bekleidungsfirmen läuft das unter unisex. Weiße Bodies, weiß-grau gestreifte Bodies, weiße Bodies mit grauen Sternen, beige-grau gemusterte Bodies… Mal ganz davon abgesehen, dass weiße Bodies genau solange weiß bleiben, bis sie das erste Mal angezogen werden, ist das echt ein Trauerspiel. Ich durchforste also seit knapp zwei Jahren Klamottengeschäfte und das Internet nach schönen, fröhlichen und genderneutralen Baby- und Kindersachen. Wenn ihr selbst Kinder habt oder werdenden Eltern etwas geschlechtsneutrales schenken wollt, kann ich euch folgende Marken empfehlen:

HEMA (www.hemashop.com/de)

 

Die holländische Warenhauskette hat viel Gelb und Türkis im Angebot, aber auch schwarze Kleider für Mädchen oder geblümte Hemden für Jungs. Verrückt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marks & Spencer  (www.marksandspencer.com/de)

Zugegeben, bei Marks & Spencer wird direkt in den Kategorien “Junge” oder “Mädchen” unterteilt, aber man kann bei vielen Jacken, Hosen oder Bodies aus unterschiedlichen Farben auswählen und die Tier- und Naturmotiv der Pullis und Shirts sind super.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LINDEX (www.lindex.com/eu)

Beim schwedischen Textilhersteller Lindex gibt es viele farbenfrohe Klamotten und tolle Prints für Jungs und Mädchen. Das Beste: Die Baby- und Kinderkleidung wird fast ausschließlich aus nachhaltigen Materialien produziert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BODEN (www.bodendirect.de)

Im Boden-Onlineshop gibt es eine eigene neutrale Baby-Kategorie bis Größe 106 und viele Klamotten sind auch wirklich so bunt, verspielt und geschlechtsneutral wie sie für so kleine Kinder sein sollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Könnt ihr noch weitere Shops oder Marken empfehlen? Ich bin immer dankbar für Input!

Disclaimer:

Ich wurde für diesen Artikel von keinem der Unternehmen beauftragt oder bezahlt, es sind keine affiliate Links, sondern einfach Empfehlungen von Herzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Genderneutrale Kinderkleidung – Der Rosa-Hellblau-Hölle entkommen

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