Wir sind relativ erprobt, was Rucksackreisen und Roadtrips angeht. Wir waren drei Monate in Südamerika unterwegs, sind mit einem Kleinwagen bis nach Kroatien gefahren und haben auf Island bei acht Grad gezeltet. Das war wohlgemerkt alles ohne Kind. Für unsere Elternzeitreisen brauchen wir etwas mehr Komfort und haben einfach viel mehr Gepäck. Und kann man überhaupt mit einem Baby noch so reisen wie vorher?Auf in den Norden!

Zugegeben, unsere erste Elternzeitreise ist schon eine Weile her. Im August sind wir für vier Wochen mit dem Bus durch Schweden und Norwegen gefahren. Ich habe das damals auf Instagram fotografisch festgehalten. Ich habe danach auch sehr oft davon erzählt, weil es wirklich wahnsinnig toll war. Nur aufgeschrieben habe ich es bislang noch nicht. Das wird hiermit nachgeholt.

Alve war zu dem Zeitpunkt der Reise ein halbes Jahr alt und es war klar, dass wir nicht zelten konnten. Wir hatten einen Kinderwagen dabei, eine Babywippe und alle möglichen Utensilien für die Beikost. Ein Bulli musste also her. Fündig geworden sind wir auf dem Portal PaulCamper, dort kann man Wohnmobile von Privatpersonen leihen. Quasi Airbnb für Bullis. Eine grobe Reiseroute stand auch schnell fest: in Schweden wollten wir Familie und Freunde besuchen und anschließend in Norwegen “richtig” Urlaub machen, viel wandern und vor allem viel Zeit zu dritt verbringen.

Eins, zwei, drei, ganz viele Fjorde.

Das Wandern ist buchstäblich ins Wasser gefallen – die Fjorde waren schuld. Wir waren so begeistert von der Landschaft, dass wir unsere Route umgestellt und eine große Fjordtour gemacht haben. Vorbei am Norddalsfjord, Geirangerfjord und Sognefjord und schließlich mit dem Schiff über den Nærøyfjord. Es war unglaublich beeindruckend und Norwegen ist wirklich eins der schönsten Länder der Welt. Insgesamt sind wir über 4.200 Kilometer gefahren und der Bulli ist uns nie zu eng geworden. Und auch Alve war ein echter Reiseprofi: im Auto hat er selig geschlummert und während unserer Ausflüge wurde alles ganz genau beäugt. Er hat während der Reise einen großen Sprung gemacht und ist viel aktiver geworden, hat angefangen zu krabbeln und sich hinzusetzen und kam mit drei Zähnchen nach Hause zurück.

Wo wollt ihr hin? Nach Vietnam? Mit Baby?

Das haben wir vor unserer zweiten Elternzeitreise Ende des Jahres sehr oft gehört. Ja, wir wollen nach Vietnam. Ja, mit Baby. Natürlich mit Baby. Für einige ist es unvorstellbar mit einem Kleinkind eine Fernreise zu machen und dann auch noch eine Rucksackreise. Für uns ist es selbstverständlich. Aber uns war natürlich klar, dass wir nicht das gleiche Pensum absolvieren können wie früher zu zweit. Keine Nachtbusse, keine Ganztagesausflüge, keine langen Strecken. Wir sind deutlich langsamer gereist, waren meisten drei Nächte an einem Ort und haben immer wieder für Ruhepausen gesorgt – für ihn und uns. Und was soll ich sagen: es war unser entspanntester Urlaub.

Der zehnstündige Flug nach Hanoi verlief problemlos und auch den ersten Kulturschock hat der kleine Mann gut überstanden. Hanoi ist wahnsinnig laut und hektisch, überall Mopeds und Fußgänger, aber er blieb ganz entspannt und von dem Gedränge völlig unbeeindruckt. Der Tragerucksack war unsere beste Anschaffung für diese Elternzeitreise. Er saß da stundenlang vergnügt drin und beobachtete alles von oben. Und auch sonst hat er alle Reiseetappen – im Bus, im Auto, im Zug, auf dem Schiff und im Ruderboot – mitgemacht.

BABY! BABY! BABY!

Die Vietnamesen lieben Kinder – vor allem solche mit blauen Kulleraugen. Alve war überall das absolute Highlight. Leute haben uns auf der Straße “Baby! Baby! Baby!” entgegengerufen, haben ihn angefasst und fotografiert. Wenn Fremde sich dem eigenen Kind so nähern, ist das nicht immer schön. Wir konnten den Einheimischen aber nie wirklich böse sein, deren Freude war echt und sie waren einfach herzlich. In Restaurants bedeutete das für uns immer Babypause. Wir konnten in Ruhe essen, während sich das komplette Personal um ihn scharte, ihn mit Bananen fütterte, rumtrug und bespaßte. Alve genoß die Aufmerksamkeit sichtlich und er strahlte mit den Vietnamesen um die Wette.

Auch auf dieser Reise hat er einen Sprung gemacht und begonnen zu laufen. Es war toll zu sehen, wie er alle Eindrücke in sich aufgesogen und vor allem die Herzlichkeit der Vietnamesen widergespiegelt hat. Fernreisen – und im Speziellen Rucksackreisen – gehen also auch mit einem Baby ganz ausgezeichnet, wenn man es sich selbst und dem Kind nur zutraut.

Elternzeitreise – Mit Baby durch Skandinavien und Vietnam

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